Anglerlatein

Anglerlatein: Geschichten rund ums Angeln, der Fantasie entsprungen

Das Urheberrecht für diese Geschichten liegt allein bei Hartmut Meyer. Eine Verwendung außerhalb der persönlichen Nutzung ist nicht gestattet. Sollte eine ideelle oder kommerzielle Verwendung vorgesehen sein, bitte Kontakt aufnehmen über die E-Mailadresse vorstand2@fv-march.de, gern auch Kritik zu den Storys.

Knacken im Gebüsch

Wie die anderen Jahre war auch der Flug schon im Jahr vorher gebucht, das Wohnmobil bestellt und die Ruten in das Wasserrohr aus Plastik eingepackt. Es sind ja nur die schweren Ruten, die leichten für die heimischen Vereinsgewässer oder den Rhein warten auf ihren Einsatz in der Garage auf den Leisten. Für Kanada ist leichte Ausrüstung überflüssig. Überflüssig sind auch die Worte des Chauffeurs, den unser Angler im Beruf hatte, in den heutigen Zeiten eines Navigationsgerätes. Das Navi verfährt sich nicht, anders der Chauffeur. Hatte er sich mal im Bundesland verfahren, lehnte er sich vor, schaut aus dem Fenster zur Seite nach links, nach vorn und zur rechten Seite. Der Mitfahrer wusste dann schon was kommt: „Aber schön ist es hier!“ Die Worte kamen so sicher, wie es hässliche Landschaften gibt, in denen er sich verfahren hat. Ganz anders in Kanada an einem Fluss im Juli. Die Lachse zieht es aus dem Pazifik hoch hinauf in die Berge, bis das Wasser keine 50 cm Mächtigkeit mehr hat. Dort hin, wo auch die Wohnmobile gestellt werden dürfen. Einhundert Meter vom Fluss, dazwischen nur Gestrüpp und trockene, umgesägte Bäume, die alle noch ihre Krone tragen. Wie riesige Rothirsch-Geweihe ragen sie aus dem Unterholz, grau mit Spitzen daran. Sie hantiert im Wohnmobil, liest ein Buch, richtet ihm den schottischen Whiskey alle zwei Stunden und er drillt und wirft wieder aus, drillt wieder, wirft aus. Sein Gefühl zeigt ihm: „Genau, zwei Stunden sind um, dass Getränk sollte kommen.“ So wundert es ihn nicht, dass es im Holz hinter ihm knackt, als er einen mindestens vierzig pfündigen Fisch drillt, dem weiten Ansehen nach ein Königslachs, beäugt von einem ausgewachsenen Weisskopf-Seeadler auf der anderen Flussseite auf einem von einem Sturm gebrochenen Baum. Gefischt wird nicht nach alter indianischer Tradition mit Lachseiern, sondern mit Gummifisch oder Spinner der Größe vier. Alles andere kostet eine Menge Strafe und Beschlagnahme der Ausrüstung. Auch das ist ein Wissen, welches unser Angler schon einmal praktisch erfahren hat. Jetzt hängt am Blinker ein Fisch, der beim Näherdrillen seltsam aussieht. Von stromaufwärts nähert sich ein Boot mit einem heimischen Angler drin, der aufgeregt auf den Fisch zeigt: „You are stupid. It‘s a White Sturgeon! He ist under protect in this district of the river. You have to let them free! Fast!“ „Wie denn?“, denkt der Wohnmobilist. Erst muss ich ihn an Land haben und den Haken raus. Unwissend bestätigt er dem Bootsfahrer die sofortige Freilassung des „White Sturgeon“ von seinem Schonhaken mit einem Nicken. Der Fisch ist tatsächlich ein weißer Stör, der nicht ans Ufer will. Mit kräftigem Schütteln des Fisches fliegt der Schonhaken durch die Luft, taucht in die spritzenden Fluten ein, die Schnur ist locker und nicht da getaucht, wo sie der Angler haben wollte. Doch bevor er drillen kann, zerrt ein Biss an der Rute. Wieder ein Fisch, wo eigentlich nach dem Angelwissen keiner sein dürfte. Und was für einer. Die 150 Gramm Wurfgewicht-Rute biegt sich beängstigend durch, die Bremse wird gelockert und Schnur läuft surrend ab. 50 m, 100 m, 150 m, Kehrtwende. Die Schnur muss aufgedrillt werden, der Fisch hat gewendet, von mit dem Strom, jetzt stromaufwärts. Die Sehne ist noch immer locker, wird schweißtreibend auf die Spule gebracht. Wieder ein Knacken im Geweih-Gewirr, für das unser Angler kein Ohr hat. Er kämpft mit dem Equipment und dem Kraftpaket vor ihm im Wasser. Catch and release heißt das Motto in Kanada. Noch im Drill werden die Muskeln lahm. Vom Fisch und vom Angler. Ein Stör und ein großer Lachs sind wahre Athleten, die einen Friedfischangler übers Jahr fordern, wenn sie bei ihm gebissen haben. Bald ist es auch geschafft, der Königslachs, diesmal ist es einer, zappelt auf dem Ufersand. Wieder ein Knacken, hintendrein die Worte: „Stell‘ den Whiskey auf den Baumstumpf neben mir. Ich trinke ihn gleich.“ Schnell blickt er sich um zum Wohnmobil und sieht seine Frau. Sie blickt bleich aus dem Fenster und zeigt mit aufgerissenen Augen neben ihren Mann ins Unterholz. In Zeitlupe dreht sich der Kopf weiter zu dem imaginären Punkt, auf den seine Frau zeigt. Diesmal ragt kein graues Ästlein aus dem Grün, sondern ein dunkelbraunes Etwas. Mindestens doppelt so groß wie unser Angler und schwer. Behaart und aufrecht stehend, nicht den Angler im Blick, sondern den Königslachs neben ihm. Grizzly und Lachs. Dazwischen ein Angler, nur mit einer Rute bewaffnet. Die Frau klopft auf die Außenwand des Wohnmobils, der Grizzly wendet sich um, der Angler tritt über den Lachs hinweg am Fluss stromabwärts, der Weißkopfseeadler erhebt sich mit drei Flügelschlägen und zieht mit wenigen Schwüngen hinter der Flussbiegung stromaufwärts seines Weges. Was denkt wohl der Bär: „Angler oder Lachs?“

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Die besondere Wasserkugel

Wir alle kennen die Form einer Kugel. Schön und gleichmäßig zu allen Seiten. Die Fische kennen die Form aber auch, die so lässig auf dem Wasser aufklatschen und mit einer Schnur verbunden sind. Manch eine Schnur hat einen Haken, besonders die an Seen mit Fischen darin. Mit einem kleinen Wurm daran oder etwas anderes wohlschmeckendes. Manch ein Kamerad hat daraufhin das kühle Etwas freudig zappelnd verlassen und kehrte nie wieder zurück, weil es in der anderen Welt so schön ist. Doch diese blöden Kugeln zeigen eben Gefahr, wenn man die nasse Welt beibehalten möchte. Ein Angelkamerad fischt seit Ewigkeiten mit den kugeligen oder eiförmigen Schwimmern, auch wenn schon seit Zeiten keine Fische mehr beißen. Hartmut ist da ein ganz anderer Typ. Er hat auch Kugeln und Wassereier zum Fischen, weiß auch, dass die Salmoniden nicht mehr beißen. Also, denkt er sich, forme ich doch die Kugeln um. Schnell ist aus Gips eine Brotoberfläche abgeformt, die Kugeln warm gemacht und auf das Gipsbrot gedrückt. Das Plastik der Kugel wird platt und rau, mit einer Flamme etwas goldbraun gefärbt und ab geht es zum Angeln. Die Brotflocken kennen die Fische, lecker schmecken sie auch. Auch sinken sie zu Boden, ohne Haken. Gefährlich sind die Flocken auf dem Boden, sie sind hart und metallisch. Nun, denn, Hartmut wirft die Brotkugel aus, am Haken ist auch Brot mit Rinde und die Pose fliegt weit raus auf die tänzelnden Wellen. Keine zwei Minuten später beißt ein Karpfen von der Sorte, die schon lange nicht mehr gebissen haben. Er verlässt das kühle Nass und kehrt nicht wieder, ebenso die beiden anderen, die im Abstand von sieben Minuten sich haben täuschen lassen. Eine neue Wasserkugel ist erfunden. Nennen wir sie Meyers-Kugel.

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Perfekter Überkopfwurf

Lange wurde mit den alten, starren und schweren Bollen von Ruten geübt und Schulterkraft aufgebaut, ebenso wie die Schnelligkeit der Armstrecker-Muskeln. Beides muss und soll harmonieren, ästhetisch aussehen. Nicht nur beim Casting auf dem Rasen, nein, auch beim Blinkern am mit Schilf umwachsenen Baggersee. Nur fünf Hektar sind für die Angler, die anderen fünfundzwanzig Hektar gehören der Natur. Blässhühner, Rallen, Teichrohrsänger, Frösche, Seerosen, Krautlaicher, Hechte und Karpfen fühlen sich wohl in der Nachbarschaft mit den Schwänen und Stockenten zu leben. Die Enten sind am zutraulichsten, wagen sich dicht an die Spaziergänger und Angler heran. Die neue Rute wird heute eingeweiht. Frisch bekommen von dem großen Versandhändler aus dem Norden des Bundeslandes. Wie schon manch eine vorher und wohl auch folgend. Ausgepackt, zusammengesteckt und draußen ein paar Windschläge vollführt. „Huih! Das Zischt! Wie muss das erst mit Blinker und Schnur surren?“ Die Vorfreude steigt, Wathose, Kescher, Kühlbox. Und die Raubfisch-Box stehen schon im Auto, die Frau fährt die Einfahrt hoch, ein schnelles Begrüßungsküsschen, das auch gleich für den Abschied gilt. Es ist Freitag, sechzehn Uhr. Noch lange hell, ein paar Meter See zu befischen, mit der neuen Rute. Die Rolle angeschraubt, die Schnur durch die Ringe gefädelt, den Wirbel mit dem Blutknoten an geknotet und das Stahlvorfach für den Blinker mit Drilling eingehängt. So geht es die paar hundert Meter zum See. An Ausrüstung alles das, was beim Blinkern zu tragen ist, mehr nicht. Stolz auf die neue Rute, gespannt wie eine Rute, die einer Normal-Parabel aus der Mathematik gleicht. Der Blinker wird gelöst, die Korken abgenommen und der Blinker macht seinem Namen alle Ehre. Er glitzert im spätsommerlichen Sonnenlicht wie eine Discokugel bei Nacht. Begonnen wird am Anfang des Angel-Ufers, da wo das Schilf endet, in dem gewöhnlich die Stockenten brüten, allen anderen Vögeln ist zu viel Störung. Und doch ist heute etwas anders als sonst. Ist es der Wind? Der beginnende Herbst? Der Angler zuckt mit den Schultern, schaut einer springenden Forelle nach, holt Schwung, lässt den neuen Blank durch die Luft sausen und erschrickt. Der Blinker fällt ihm direkt auf den Kopf, er schüttelt ihn ab, schaut nach oben und Federn fallen auf das verdatterte Gesicht. Hat er einen Engel getroffen? Der Stockenten-Erpel schreit zeter und mordio. Er war es, den der Blinker traf, den Flug stoppte und den Blinker mit Drilling auf den Angler warf. Gleiches mit gleichem.

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Piercing – selbstgemacht –

„So, lieber Klaus. Heute bist du dran über dich zu lesen. Mit Leib und Seele Angler und Ausbilder, mit den Kursen hast du schon an Jahren Silberhochzeit gefeiert, immer auf der Suche nach Schulungsmaterial, egal ob Bilder von Fängen, Fischnährtieren oder Kamberkrebsen. Letztere werden nicht nur gezeigt, sondern auch die Zubereitung vorgeführt und wie sie schmecken. Nur wer möchte. Am Besten ist jedoch das Lösen eines Hängers mit einem Drilling draußen am Gewässer. Selber Schuld, wer an der Stelle wirft, wo die Hechtunterstände sind.“ „Na klar, verehrter Leser. Weiß ich doch. Nur da, wo die Hechte stehen kann der Klaus sie auch fangen, oder auch Schulungsmaterial produzieren. Nämlich dann, wenn kein Hecht beißt, sondern ein stabiler Ast sich mit dem Drilling und Spinner vereinigt. Ausgerechnet der Lieblingsspinner muss sich festhaken, den der Angelladen nicht mehr führt und auch sonst kein Internet-Versender. Mit Mühen, Rucken, Zucken, Querziehen, Spannung auf die Schnur ziehen und plötzlich loslassen, alles hilft nicht. Der Spinner bleibt fest. Das Messer zum Kappen der Schnur ist schon geöffnet, stand der Klaus bisher immer leicht seitlich der Schnur, zerrt er nun in gerader Richtung der Los-Lass-Flugbahn. Und richtig. Die Flugbahn passt, der Spinner löst sich so plötzlich wie er hakte und hält die Flugbahn. Geradewegs auf den Klaus zu und hakt ihn auch. Voll in die Oberlippe getroffen. Schön baumelnd vor dem offenen Mund. Nun wird aus dem Messer eine Beißzange, der Haken gekappt und der Klaus ist wieder frei. Der hätte auch ins Auge gehen können. Wer hat wen gefangen? Der Spinner den Klaus?“

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Die Anglerin

Von Montag bis Freitag wird der Bürostuhl gedrückt, am Freitag noch eben eine Dose Bienenmaden mit dem Fahrrad aus dem Angelgeschäft geholt und dann kann es Sonntag werden. Die Forellensaison am See wird eröffnet. Lauter Kameraden stehen in der Sonne um den See herum, warten auf die Ansage des Chefs, er hat Neuigkeiten zu berichten, wurde angekündigt. Nun denn, die Spannung steigt, die Zeiger wandern von 9:30 Uhr auf ein 9:45 Uhr, die Zeit der Ansprache. Sie ist kurz und knapp. Die Zeiten für die zwei Durchgänge und den Rest beim Mittagessen. Ab zehn gilt: Petri Heil! Keiner kann es abwarten, alle stiefeln zu den montierten Ruten, pfropfen den oder die Köder auf die Haken. Um Punkt Zehn geht es los. Aus allen Richtungen platschen die Köder mit Posen auf das Wasser, es spritzt dort und hier, bevor Ruhe einkehrt hängen die ersten Regenbogenforellen an den Haken, werden mit den Keschern aus dem Element gehoben und waidgerecht versorgt. Schnell geht das Betäuben, einen Schnitt oder Stich, Haken entfernt, neu beködert und wieder fliegt die Pose, Wasserkugel oder was der Angelladen sonst zu bieten hat fort vom Angler, bringt den Haken ans Ziel. Dahin, wo die Forellen ziehen. Übertönt wird das fröhliche Plätschern von einem Schrei: Eine der wenigen Anglerinnen schreit: Juchihujucheeee! Alle blicken zu ihr, brüllen: „Petri!“ Sie hat auch eine Forelle gefangen, die erste von acht an diesem Tag von zehn erlaubten. Und so schallt es weitere siebenmal Juchihujucheeee über und um den See. Per Handy wird die Familie für den Abend eingeladen, es gibt frischen Fisch und eine freudige Anglerin. Petri!

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Noch eine Möwe

Endlich zappelt an der Hegene im irischen Erne ein Barsch. So 120 g hat der Stachelträger. Mindestens… „Was meint ihr?“ Klaus fragt die anderen. „Mindestens 130 g, eher 140!“ Die Aussage wird mit einem Nicken bekräftigt, auch wenn sie dadurch nicht richtiger wird. Egal. Bestätigung ist alles. Und es ist auch noch der Irish Coffee fertig. Alle trinken ihn mit Kaffee und dem irischen Destillat. Nur nicht der Barsch-Fänger. Er trinkt ihn mit der schwarzen Flüssigkeit mit dem Doppelnamen, die beide mit „C“ anfangen. Ein Buchstabe, den wir noch laut hören werden. Der Stachelträger schwimmt erst einmal in einem großen Eimer, der Coffee in den Mägen. Dann ist der Stachelritter dran, fischen mit lebendem Köderfisch ist auch in Irland nicht erlaubt, also… der unschöne Teil beim Raubfisch fangen. Bald ist er nicht mehr, angehakt, den Kollegen Bescheid gesagt: „Jetzt wird ausgeworfen“, alle gehen in Deckung. Unter Wasser sind die Fische, auf dem Wasser keine Boote unterwegs, auch keine Enten, in der Luft drei Möwen. Weit weg? Es wird reichen. Der Barsch hebt ab, fliegt weit auf die offene See und schlägt doch nicht auf dem Wasser auf. Eine der Möwen war doch zu nah, hat den Barsch geschnappt und sich selbst gehakt. Das Stahlvorfach hält sowieso, die Hauptschnur, eine Monofile hält auch. Nun heißt es zügig einholen, die im hohen „C“ kreischende Möwe zum Boot am Steg ziehen, kein schöner Drill, die Möwe wehrt sich vehement mit heftigen Flügelschlägen, bis sie den Kescher über sich hat. Sie gibt Ruhe. Mit dem Handtuch über sich zum Beruhigen erst recht. Die Beringung ist zu sehen, ein Schleswig-Holsteiner Ring, weit gereist das arme Tier. Mit geübtem Griff ist der Drilling frei, der Fisch bleibt dem Flügeltier als Futter. Das Tuch wird abgehoben, der Kescher am langen Stil gehalten, alle gehen in Deckung, der Kescher angehoben, die Möwe steht auf. Sie lässt einen großen weißen stinkigen Fleck aus sich heraus, geht einen Schritt voraus, sieht den Eimer mit den Köderfischen, klaut einen Barsch aus dem Eimer, wohl als Schmerzensgeld und hebt ab. Erneut erklingt das hohe „C“ und weg ist sie. Hoffentlich auf nimmer Wiedersehen. Und Tschüss!

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Auswurf

Endlich! Die Schonzeit der Zander ist vorbei, die neue Basecap mit dem Vereinslogo kann endlich beim Fischen gezeigt werden. Mit Stolz aufrecht und mehrfach zurechtgerückt, extra theatralisch versteht sich, wie es sich für einen ordentlichen Anger gehört, gut sichtbar für die anderen Kameraden. Um den See mit den beiden Inseln, die einst die Wasserfläche trennte in zwei Seen. Durchbrochen mit Geldern aus der Fischereiabgabe, entstand vor Jahrzehnten eine größere Wasserfläche, genau richtig, mit viel Schwung den Spinner zwischen den Inseln durch zupfeffern, genug Zeit mit der Spinnrute Zander oder Hechte zu reizen, in der Hoffnung einer beißt. Ja. Einer sollte schon beißen. Ohne sich umzusehen wird Schwung geholt, im Schwung stimmt etwas nicht, ein Widerstand, der bisher nicht war. Noch beim Schwung holen schreit der Kamerad mit seiner neuen Kappe. Im weiten Bogen fliegt sie mit hinaus, landet exakt zwischen den Inseln, der Spinner taucht, die Mütze vom Kopf gezogen, geflogen, schwimmt. Ganz theatralisch macht sie langsam den Abgang, verschwindet im Off. Begleitet von den Flüchen des Bestohlenen. „Beruhige dich! Es gibt mehr Kappen. Kriegst ne‘ Neue von mir.“ Doch der Kamerad tanzt wie wild, als ob er Rumpelstilzchen ist. Und wenn er nicht gestorben ist, tanzt er noch heute an den Wellen.

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Blöder Morgen

Samstag! Wochenende von der Arbeit. Eben die 120 km abgerissen, viel über die Autobahn, dann steil den Berg hinauf bis hin zum schnell fließenden Bach mit den Auswaschungen am Ufer, Stromschnellen und den wenigen Wasserfällen bei Hochwasser, wenn die Wassermassen über die Steilstellen schießen. Heute scheint die Sonne, das Wasser ist klar, ideales Angelwetter. Wenn nur… wenn nur nicht die Kühlbox 120 km vom Ziel entfernt stehen würde. Nämlich in der eigenen Garage auf der Beifahrerseite. Naja. Wird schon kein Fisch beißen, so früh. Der wäre hin bis zum Abend, denkt er, hängt die Fliege mit Vorfach in die altbewährte, schon abgegriffene Fliegenrute mit Schnur, besieht sich alles noch einmal und los geht es. Der erste Wurf an diesem Morgen, der ein schöner ist. Umplätschert vom fließenden Wasser, sauerstoffreich mit vielen Störsteinen, Kühlung an der Neopren-Wathose. Er schwingt die Rute durch die Luft. Der Fliege, wäre es eine Echte, würde schwindlig werden. Vorn, hinten, vorn, hinten, ein paar Mal, dann legt unser Angler sie ab hinter dem Störstein. „Da sollte eine stehen.“ Kaum ist die Fliege auf dem Wasser, spannt die Schnur, die Rute biegt sich erschreckend weit durch, ein Etwas zieht ab gegen die Strömung, wendet, mit der Strömung Tal abwärts, die Schnur ist fast bis zum Backing abgespult, der Fisch gibt nach, der Drill geht weiter, vom Backing ist nichts mehr zu sehen und doch sind noch 6 m Schnur im Naß. Der Fisch springt, eine große, schöne rotgepunktete Bachforelle zeigt sich, schaut den Widersacher an und taucht ab. Nicht lange, bis sie am Kescher ist, unmöglich an der Stelle das Ufer zu nehmen, ein Meter hoch mit glitschig-moosigen Steinen. Zurück? Der Forelle würde es nicht gut tun, dem Anger wohl auch nicht. Geübt wird der linke Arm nach hinten bewegt, greift den an einer Schnur baumelnden Kescher, sanft unter die Forelle geschoben ist sie gefangen. Oder doch nicht? Eine Windböe zerrt Äste an die Seite, gibt den direkten Blick in die Sonne, der Fischer ist geblendet, die roten Punkte bilden eine Linie, die Fliege plumpst ins Wasser, die sechziger Forelle vorweg, ist sie weg. Ein schöner Kampf, Sieg nach Punkten für die rot gepunkteten Gegner, ein Stich ins Auge und ohne Kühlbox. Glück gehabt! Der einzige Drill bis zum späten Nachmittag. Ein wundervoller Tag in der Natur geht zu Ende.

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Zwei Angler

Die Sonne brennt heiß auf den See, der Wind zieht die letzten Blätter vom Vorjahr aus der Eiche, weht sie auf die Wellen. Eben die, die den Angler blenden, trotz Polarisationsbrille. Beide Freunde der Fischwaid stehen keine drei Meter von einander entfernt, werfen aus, holen ein, plaudern über Montierungen, Gerätschaften, den besten Angelladen und freuen sich an der Sonne. Bald sind die nahen Bereiche befischt, es muss ummontiert werden. Jetzt kommt die Wasserkugel dran. Zügig mit geübten Handgriffen laufen die Knoten in die Schnüre, die Bleie auf das Vorfach, wenig später ist die Rute zum Auswerfen bereit. Noch eben eine Zigarette, angezündet und gezogen, qualmt sie im Mund des Kumpels. „Nu‘ werfe ich aus“, spricht er, holt Schwung, dreht sich leicht nach rechts und krack. Irgendwas ist passiert, der Schwung war schneller zu Ende, als sonst. Der Nachbar schreit den Namen der Masse, die wir Menschen hinten ausscheiden, flucht weiter. „Du Depp! Was machst du denn?“ „Häh? Was‘ n los?“ Die Zigarette wippt wie Opa im Schaukelstuhl. „Aah!“ Ihm geht ein Licht auf, blickt nach rechts. Die Ruten feiern Hochzeit, haben sich vereinigt, umwickelt von der multifilen Schnur mit achtzehn Kilogramm Tragkraft. Die Wasserkugel, die Rote, wedelt noch wie ein Klöppel in der Kirchenglocke. Schnell besonnen, die Windungen zurückgeführt, die Scheidung der Ruten ist vollbracht, eine kurze Ehe. Die Zigarette angezündet, Schwung geholt, die Kugel fliegt nach links auf die Eiche auf der Insel zu, deren Kambium vor drei Jahren vom Nutria abgenagt wurde. Platschend haut die Kugel auf das Wasser, die Fische haben Tinnitus im Seitenlinien-Organ. Der Wind weht Blätter auf die Kugelpose, drückt sie unter Wasser. Oder ein Biss? Biss! Die Zigarette qualmt, die Kurbel läuft.

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Lehrgangsteilnehmer fragen nach

Soviel einmal vorweg. Der Ort der Handlung und um welchen Fischereischein-Vorbereitungskurs es sich handelt ist nicht weiter von Belang, auch nicht die Namen der Personen. Nur die Hauptperson bekommt einen rein zufällig gewählten Namen.

„Wie heißt denn unsere Hauptperson?“ „Nennen wir sie doch einfach Heidreen.“ Sie ist eine besondere Person. Mindestens zwei Bachelor-Abschlüsse an einer Excellenz-Universität, die beiden Master sind gleichzeitig in Arbeit, parallel dazu der Vorbereitungskurs zur Fischerei-Prüfung. Mit dem Zeugnis darf man / frau dann einen Fischereischein holen und allein angeln gehen, mit Tageskarten oder in einem Verein. Heidreen ist so naturverbunden, dass sie vorher schon im Freien übernachtet. Im Lehrgang frug sie immer den drei Ausbildern Löcher in die Bäuche, wie genau und exakt denn die Sachverhalte sind und ob sie es richtig verstanden hätte. Ja hat sie, und wir müssen weiter im Stoff… Und wieder kommt die mündliche Beteiligung von ihr am Unterricht: „Wie war das noch…?“ Wäre nicht die Raumdecke im Wege, wären die verdrehten Augen des Ausbilders erst am Mond abgeprallt und zurückgekommen. Irgendwann war der Kurs absolviert und sie hat mit null Fehlern bestanden und noch zwei Fehler in den Prüfungsfragen gefunden, die selbst den langjährigen Ausbildern durchgingen.

Gut, dass der Lehrgang nur einmal zu besuchen ist, liebe Heidreen. Und der eine Ausbilder spielt auch nicht mehr den mit Helium gefüllten Luftballon. Er ist wieder geerdet, oder mit Wathose im Bach unterwegs. Schön kühlendes Nass um sich herum.

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